Deutsche Regiopolen treffen sich in Würzburg: Austausch zu Zukunftsstrategien und interkommunaler Kooperation

Die Mitglieder des Deutschen Regiopole-Netzwerks kamen bei ihrem halbjährlichen Treffen diesmal in Würzburg zusammen, um ihre Kooperation weiter zu stärken und die gemeinsamen Ziele voranzutreiben.
Ein wichtiger Teil des Treffens war der Austausch mit der Bundespolitik. Gäste waren der Vorsitzende des Parlamentarischen Kreises „Regiopolen und Regiopolregionen im Bundestag“, MdB Dr. Thorsten Rudolph, und Jens-Uwe Staats, der im Bundesministerium für Wohnen, Stadtentwicklung und Bauwesen für Grundsatzfragen der Raumordnung zuständig ist. Der amtierende Vorsitzende des Netzwerks, Würzburgs Oberbürgermeister Schuchardt, zog ein positives Resümee: „Dank einer starken Interessensvertretung ist es Würzburg schon 2018 gelungen, das Konzept der Regiopole in die bayerische Landesplanung zu integrieren. Dies stärkt den Nordwesten Bayerns zwischen den benachbarten Metropolen und bietet unsere Region neue Entwicklungsperspektiven, um die uns andere Bundesländer teilweise beneiden. Unser Netzwerk hat sich zum Ziel gesetzt, die Raumkategorie „Regiopole“ nicht nur auf Landes-, sondern auch auf Bundesebene dauerhaft zu etablieren und sichtbarer zu machen.“
Am zweiten Tag wurde in einem Fachsymposium den Kreis der Teilnehmenden erweitert.
Christian Schuchardt eröffnete das Symposium und betonte die großen Potenziale der interkommunalen Kooperation in der Region Würzburg, beispielweise auf den Feldern der Stadtentwicklung, Mobilität, Infrastruktur. Stadt und Landkreis Würzburg wollen in der Zukunft enger miteinander zusammenarbeiten. Landrat Thomas Eberth wies in der Podiumsdiskussion auf die Notwendigkeit hin, in neuen Strukturen zu denken und die vielfältigen Chancen moderner Stadt-Umland-Kooperationen zu nutzen.
Prof. Dr. Axel Priebs von der Akademie für Raumentwicklung der Leibnitz-Gemeinschaft zeigte das breite Spektrum stadtregionaler Kooperations- und Organisationsformen auf, die derzeit zur Verfügung stehen. Prinzipiell gebe es leider kein „one fits all“, sondern jede Region müsse sich individuelle Antworten auf definierte Herausforderungen geben.
Die Städteregion Aachen stand beim Symposium unter besonderer Betrachtung. Städteregionsrat a.D. Helmut Etschenberg gewährte einen Einblick und Rückblick wie die Kommunen des Kreises Aachen und die kreisfreie Stadt zur Städteregion mit rund 570.000 Einwohnern zusammenfanden. Ein mehrjähriger Prozess mit anfänglichen Rückschlägen, am Ende aber auch einstimmigen Zustimmung des Landtags zum Aachen-Gesetz
Prof. Dr. Kyrill-Alexander Schwarz von der Universität Würzburg vertiefte den Punkt „Rechtliche Voraussetzungen zur Bildung von Kommunalverbänden besonderer Art“. Die Befassung des Landtags von NRW im Falle Aachens hatte schließlich bereits verdeutlicht, dass ein Operieren am Selbstverwaltungsrecht der Kommunen schlicht die Basis des deutschen Staatsaufbaus berührt und somit auch ausreichend demokratisch legitimiert sein muss.
Hatte das Symposium bislang hauptsächlich Rückschau betrieben und analysiert, welche Steine einzelne Regionalverbünde bereits aus dem Weg geräumt haben, richtete eine Podiumsdiskussion und der Vortrag von Prof. Dr Carsten Kühl vom Deutschen Institut für Urbanistik zu „Stadt-Umland-Kooperationen 2050“ am Ende den Blick noch einmal weit in die Zukunft. Im besagten Zeitraum warten beispielsweise mit dem demografischen Wandel oder der voranschreitenden Digitalisierung große Herausforderungen und gleichzeitig große Unwägbarkeiten, so seien laut Kühl beispielsweise das Siedlungsverhalten von Menschen und das Ansiedlungsverhalten von Unternehmen kaum prognostizierbar – „Vertrauensgemeinschaften“ könnten mit sich wendelnden Rahmenbedingungen besser zurechtkommen als „Zweckgemeinschaften“.
Die neue Rolle der Regiopolen - Parlamentarischer Abend in Berlin

Der parlamentarische Abend des Deutschen Regio-Pole Netzwerks findet alle zwei Jahre statt. Am 19.09.2023 trafen sich in der Bayerischen Vertretung in Berlin zahlreiche Bundestagsabgeordnete, Vertreter*innen des Deutschen Städtetages, Forschungseinrichtungen und Verbänden für einen intensiven Austausch. Elisabeth Kaiser, Parlamentarische Staatssekretärin im Bundesministerium für Wohnen, Stadtentwicklung und Bauwesen lobte die Initiative und hob die Bedeutung der Regiopolen hervor:
„Städte und Regionen stehen vor dynamischen Herausforderungen wie der Klimaanpassung, dem demografischen Wandel und der Energiewende. Hier kommen die Regiopolen ins Spiel – sie sind treibende Kraft für Wachstum und Innovation und spielen eine entscheidende Rolle in der Daseinsvorsorge.“, so Elisabeth Kaiser.
Für die gastgebende Städte sprach zur Begrüßung Würzburgs Oberbürgermeister Christian Schuchardt, Vorsitzender des RegioPole-Netzwerks. Schuchardt betonte, dass gerade vor dem Hintergrund der aktuellen ökonomischen, ökologischen und demographischen Entwicklungen, den Regiopolen eine neue bedeutende Rolle zukommt. Erklärtes Ziel des Netzwerks ist es, die Regiopole als zusätzliche Raumkategorie im Rahmen der Bundesraumordnungspolitik sowie der Landesplanungen noch stärker als bisher zu verankern. Ein neues Positionspapier formuliert die vielfältigen, zukünftig anstehenden Aufgaben des Deutschen RegioPole-Netzwerkes.
Die ersten Untersuchungen zur Funktionalität von Regiopolen und Regiopolregionen in Deutschland wurden von Aring/ Reuther im Jahr 2008 veröffentlicht. Prof. Dr. Aring nahm persönlich an der anschließenden Diskussion teil. Auf dem Podium herrschte Einigkeit. Eine wichtige Voraussetzung für die Aufwertung der regiopolitanen Räume und die Umsetzung des Regiopolenkonzepts ist die raumplanerische Anerkennung. Die Mitglieder des Deutschen RegioPole-Netzwerks wollen sich auch künftig mit voller Kraft dafür einsetzen.
Foto: Alia Gurski
Staffelstabübergabe im Deutschen RegioPole-Netzwerk

Siegens Bürgermeister Steffen Mues hat den Vorsitz des Deutschen RegioPole-Netzwerks an Würzburgs Oberbürgermeister Christian Schuchardt übergeben.
Oberbürgermeister Schuchardts Amtszeit begann turnusgemäß am 01.01.2023. Der neu gewählte Vorsitzende ging in seiner Antrittsrede auf die Vorteile und Ziele der bundesweiten Kooperation ein:
„Im Verbund der Regiopolen und Regiopolregionen wollen wir in Abgrenzung zu den großen Metropolregionen unsere Stärken „promoten“, um uns im Schulterschluss beispielsweise für eine angemessene und faire Berücksichtigung bei der Förderung wichtiger Vorhaben einsetzen zu können.“
Ein neuer Kooperationsvertrag regelt die interkommunale Zusammenarbeit auf formaler Ebene. Die Mitgliedsstädte versprechen sich aufgrund ihrer Mitgliedschaft im Regiopole-Netzwerk langfristige Vorteile, bessere Entwicklungsmöglichkeiten ihrer Regionen und höhere Sichtbarkeit durch gemeinsames Standortmarketing. Im Laufe des Jahres 2023 wurden ein gemeinsames Positionspapier erarbeitet, an dem Prof. Dr. Jürgen Aring als starker Impulsgeber des ursprünglichen Regiopolen-Konzepts mitgewirkt hat. Das Positionspapier formuliert die vielfältigen, zukünftig anstehenden Aufgaben des Deutschen RegioPole-Netzwerkes und seine Positionierung in der Raumordnung. Damit stellt es die inhaltliche Grundlage der Interessensvertretung dar.
Auszug aus dem Positionspapier:
„Eine Regiopole ist ein starkes Zentrum in der raumplanerischen Bedeutung zwischen Oberzentrum und Metropole. Regiopolen liegen in einem deutlichen Abstand zu den deutschen Metropolstädten und haben in der Regel ein eher ländliches und durch kleinere und mittlere Städte geprägtes Umland. Dabei ist die räumliche Prägung keinesfalls mit ökonomischer Strukturschwäche gleichzusetzen! Im regionalen Kontext sollen insbesondere Aufgaben identifiziert werden, die als interkommunale Kooperation besser oder wirtschaftlicher zu lösen sind bzw. die Daseinsvorsorge effizient sichern. Die gewählten Aufgaben können regionsspezifisch vollkommen verschieden sein, sie müssen jedoch im Sinne des Regiopolen-Konzeptes zweckdienlich sein. Dementsprechend sollten Handlungsräume sich möglichst an tatsächlichen funktionalen Verflechtungen und Wechselbeziehungen unabhängig von administrativen Grenzen orientieren.“
583733_080_2023_regiopole-flyer_online.pdf (wuerzburg.de)
Foto: Christian Weiß, Stadt Würzburg
Modellprojekt „Regiopolen und Regiopolregionen für Deutschland“
Das Bundesministerium für Wohnen, Stadtentwicklung und Bauwesen (BMWSB) setzt sich für Vorhaben im Bereich der Raumordnung und des gesellschaftlichen Zusammenhalts mit spezieller Ausrichtung auf ländliche Räume ein. In Zusammenarbeit mit dem Bundesinstitut für Bau-, Stadt- und Raumforschung (BBSR) werden dabei innovative Konzepte für die Entwicklung ländlicher Räume gefördert, die in Modellvorhaben und Einzelprojekten umgesetzt bzw. beforscht werden.
Die Facharbeitsgruppe „Raumordnung, Statistik“ der Kommission „Gleichwertige Lebensverhältnisse“ empfahl in ihrem Endbericht im April 2019, den Aufbau des RegioPole-Netzwerks zu fördern und in diesem Kontext zu klären, welchen Beitrag Regiopolen und Regiopolregionen zur Schaffung gleichwertiger Lebensverhältnisse leisten können.
Der Bund förderte 2021-2023 die Aktivitäten des RegioPole-Netzwerks im Rahmen des Programms „Region gestalten“. Neben einer Analyse der oberzentralen Funktionen in ausgewählten Infrastrukturbereichen der beteiligten Städte ging es um die Erarbeitung von Leit- bzw. Leuchtturmprojekten der Infrastrukturentwicklung. Die Infrastrukturbereiche spannten einen breiten Bogen über die Sektoren Mobilität (Bielefeld), Energie (Rostock), Kultur (Erfurt), Forschung und Bildung (Siegen), Wirtschaft (Würzburg), Gesundheit (Trier) und IT- bzw. digitale Infrastrukturen (Koblenz und Paderborn).
Die in dem Modellvorhaben beispielsweise über Zukunftsworkshops und Runde Tische entstandenen Netzwerke und Kommunikationskulturen sind wertvoll und sollten im Sinne einer zukunftsorientierten Entwicklung von Regiopolen und Regiopolregionen über den Förderzeitraum hinaus weiter erhalten bleiben. Die sehr hohe Motivation der Akteure vor Ort, an der Entwicklung regionaler zukunftsorientierter Strategien mitzuarbeiten, war in allen Modellprojekten deutlich spürbar. Am Ende des Fördervorhabens waren die Partner sich einig-die Regiopolen zeichnen sich durch Wettbewerbsfähigkeit und Innovationskraft aus und erbringen für ihren Mitversorgungsraum ein breites Spektrum an Leistungen.
Die professionelle Begleitung durch BBSR, die in einen umfassenden Forschungsbericht mündete, hat das Deutsche RegioPole-Netzwerk in seiner koordinierenden und moderierenden Rolle nachhaltig gestärkt.
42. INTA Congress „Innovation in and by medium sized cities / regiopolis cities
Am 20./21. September 2018 findet in Rostock der 42. INTA Kongress, zum Thema „Innovationen in und von mittelgroßen Städten / Regiopole Städten“ statt. Die INTA versteht sich als globaler Mitgliederverband, in dem öffentliche und private politische Entscheidungsträger und städtische Akteure zusammenkommen, um Wissen, Erfahrungen und Werkzeuge für die integrierte Stadtentwicklung austauschen. Weitere Informationen erhalten Sie unter den folgenden Links.
https://inta-aivn.org/en/activities/exchange/congress/inta42/what-is-a-regiopolis
https://inta-aivn.org/en/activities/exchange/congress/inta42/inta42-homepage
https://inta-aivn.org/en/activities/exchange/congress/inta42/programme-inta42
Um sich für die Veranstaltung anzumelden, nutzen Sie bitte folgenden Link:
https://inta-aivn.org/en/activities/exchange/congress/inta42/registration
Tagung des Deutschen RegioPole-Netzwerks in Trier
Zum Thema „Unverzichtbar und vergessen. Regiopolen: Zwischen Metropolen und ländlichem Raum“ findet am 20.Juni 2018 im Warsberger Hof in Trier von 9:30 – 17:00 Uhr eine Fachtagung statt. Partnern und Interessierten wird mit dieser Veranstaltung eine Plattform geboten, sich über die aktuellen Entwicklung der Regiopolen in Deutschland zu informieren. Weitere Informationen erhalten Sie hier.
Für Ihre Anmeldung und Ihre Fragen nutzen Sie bitte folgende Kontaktmöglichkeiten:
Stadtverwaltung Trier
Amt für Stadtverwaltung und Statistik
Am Augustinerhof
54290 Trier
Sabine Borkam | T: 0651 / 718 – 2122 | | sabine.borkam@trier.de
